Ursprung von Spitz in Kitz
In den Jahren 1880 -1890 trieb der “Wuiderer” auf Zeit Karl Spitz in und um Kitzbühel sein Unwesen. Nun ja, Unwesen ist vielleicht etwas übertrieben , er war mehr so etwas wie der Robin Hood aus Tirol.
Eintragungen im Melderegister der Gemeinde Kitzbühel und natürlich auch dokumentierte Zeitzeugenaussagen belegen, dass es diesen Mann wirklich gegeben hat.
Was ist damals geschehen? Zunächst einmal ein Blick in die Geschichtsbücher:
Die Kriege des 18. und 19. Jahrhunderts gingen an der Stadt vorüber, wenngleich sich auch Kitzbühler an den Tiroler Befreiungskämpfen beteiligten. Kitzbühel gelangte erneut zu Bayern als Kaiser Franz II. im Frieden von Pressburg Tirol an Bayern abtrat, nach dem Sturz Napoleons wurde es auf dem Wiener Kongress wieder mit Österreich vereint.
Als Kaiser Franz Joseph schließlich die verworrenen Verfassungsverhältnisse ordnete, und nach Fertigstellung der Salzburg-Tiroler-Bahn im Jahr 1875 erfuhr die Stadt einen Aufschwung in Wirtschaft und Industrie.
Karl Spitz, geboren am 30. Juli 1860 in Matrei am Brenner kam als 5jähriger Bub im Jahre 1865 mit seinen Eltern dem Hufschmied Peter Spitz und seiner Gemahlin Agnes Walburga Spitz, geborene Jennewein nach Kitzbühel. Der oben erwähnte wirtschaftliche Aufschwung Kitzbühels brachte sie hierher.
Sein Vater arbeitete als Gleisarbeiter und er unterhielt die Dorfschmiede in Kitzbühel.
Der kleine Karl verbrachte eine recht normale Kindheit. Er besuchte die Dorfschule und arbeitete, wie sein Vater, in den Jahren 1875 bis 1880 bei der Salzburg-Tiroler-Bahn als Gleisarbeiter.
Im Jahr 1880 verstarb seine Mutter bei der Geburt Ihres zweiten Kindes. Auch das Neugeborene überlebte nicht. Nur 2 Monate später verunglückte sein Vater. Ein Pferd trat aus und traf ihn mit den Hufen am Kopf. Die Kopfverletzungen waren tödlich.
Karl, zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alt verfiel in eine tiefe Depression und verschwand kurz darauf in den Kitzbüheler Bergen. In den Jahren 1880 – 1885 lebte er als Einsiedler in einer Hütte am Steinbergkogel.
Nach einem Jahr, im Sommer 1881, zeigte er sich zum ersten Mal wieder in Kitzbühel. Ab diesem Zeitpunkt wurde er dann regelmäßig 1x pro Monat in Kitzbühel gesehen. Bei jedem seiner Besuche legte er den Leuten Wild (Gams, Reh, Hirsch) vor die Tür. Mittlerweile zu einem Prachtexemplar von einem Mann herangereift, wie es ihn wahrscheinlich nur in Kitzbühel, d.h. in Tirol geben kann, traf er sich auch mit den Madls aus Kitz. Danach verschwand er wieder in den Bergen. Manche der jungen Madl bestickten ihm zum Dank und als Andenken kleine Tücher, eines davon mit der Aufschrift "Spitz in Kitz" und mit dem Bild einer Gams.
Der Legende nach ist er auch der Erfinder des Fensterln, dies sei aber nur am Rande erwähnt.
Im Jänner des Jahres 1885 geschah dann Überraschendes. Karl kam die heutige Streif hinunter ins tiefverschneite Kitzbühel, ging direkten Weges zum Altwirt im Dorfzentrum und rief: Der Spitz ist wieder da und er bleibt auch in Kitz!
Er war mittlerweile sehr bekannt, gehasst und geliebt. In windeseile erfuhr das ganze Dorf davon und fast alle Kitzbüheler kamen, vom Bürgermeister über die Gendemarie, d.h. den Dorfpolizisten, zum Altwirt gelaufen.
Umgehend wurde er in Gewahrsam genommen und kam wegen seiner “Wilderei” für 5 Monate nach Kufstein ins Gefängnis. Strafmildernd wirkten sich seine Reue und die “guten” Taten aus.
Nach seinem Gefängnisaufenthalt zog er wieder in die alte Schmiede und eröffnete im Jahre 1887 das Wirtshaus Zur Schmiede.
Die Kitzbühler nannten ihn nur noch der “Spitz in Kitz”.
Kurze Zeit später heiratete er die Tochter vom Aufschnaiter Georg. Mit Rosel Spitz, geborene Aufschnaiter, war er bis zu seinem Tode im Jahre 1925 verheiratet. Kinder hatten sie leider keine. Deshalb findet man den Namen Spitz auch nicht mehr in Kitzbühel.
Erwähnt sei noch, dass er zusammen mit Hias Reisch 1890 in Norwegen Schi bestellte, mit denen der Tourismus in Kitzbühel begründet wurde. Binnen kürzester Zeit entwickelte sich der Ort zum Zentrum des Schilaufens.
Karl Spitz war einer der ersten Berg- und Skiführer in Kitzbühel.
Das besagte Tuch mit der Stickerei “Spitz in Kitz” fiel uns im Sommer 2007 durch Zufall in die Hände und wir begannen sofort mit den Recherchen.
Diese wunderschöne Geschichte haben wir aufgeschrieben um sie für die Nachwelt zu erhalten. Des weiteren haben wir zum Gedenken an Karl Spitz eine SIK “Spitz in Kitz” Kollektion heraus gebracht.
Vielleicht gibt es noch weitere Helden der Vergangenheit, die wiederentdeckt werden möchten. Meldet Euch…., wir veröffentlichen diese hier sehr gerne.
Servus
Euer SIK Team